Was sind SIBO und Co. & was ist ein Leaky Gut?
1) Was ist SIBO, IMO, ISO, SIFO und SIMO?
Kurz gesagt: Die häufigste Ursache von Reizdarmsymptomen! SIBO (Small Intestinal Bacterial Overgrowth), oft als Oberbegriff verwendet, ist Studien zufolge in ca. 70% der Fälle von Betroffenen mit sogenanntem "Reizdarmsyndrom" die eigentliche, versteckte organische Ursache. Sie bezeichnet eine fehlbesiedelte Dünndarmflora, bei der Bakterien im Dünndarm überwuchern, wo sie normalerweise nur in geringer Zahl vorkommen. Oftmals entsprechen diese Bakterienarten auch nicht der sonst bei Gesunden vorherrschenden Flora. Diese Überwucherung im Dünndarm sorgt Studien zufolge für bis zu 60x mehr Fermentation als normal, wobei der Dünndarm im Gegensatz zum Dickdarm für diese Prozesse nicht ausgelegt ist. Das kann zu Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung, und als Folge zu Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Histaminproblemen, Schleimhautschäden, Leaky Gut, und weiteren Beschwerden führen.
IMO (Intestinal Methan Overgrowth) ist eine Form der Darmfehlbesiedlung, bei der vermehrt Methanbildner-Bakterien wachsen. Dies ist weder im Dünn- noch im Dickdarm in vermehrter Form gewünscht. Methan kann die Darmmotilität extrem verlangsamen, was häufig mit Verstopfung und einem großen Blähbauch einhergeht. In einigen Fällen ist dies auch mit einer großen Gewichtszunahme verbunden, da diese Bakterien die Nahrungsverwertung beeinflussen.
ISO (Intestinal Sulfide Overgrowth) beschreibt eine Überbesiedlung des Darmtrakts durch schwefelbildende Bakterien, die Schwefelwasserstoff produzieren. Diese sind in erhöhter Form ebenfalls weder im Dünn- noch im Dickdarm erwünscht. Dies kann zu Blähungen, unangenehmen Gerüchen, Unverträglichkeiten, besonders hypersensiblen Bauchschmerzen, weiteren Verdauungsproblemen, aber auch sehr systemischen Beschwerden wie beispielsweise Brainfog oder Blasenschmerzen führen.
Alle drei Formen – SIBO, IMO und ISO – sind nach dem Goldstandard mittels eines Atemtests zu ermitteln. Auch wenn es je nach Atemgas unterschiedliche Cut-Off-Werte und Therapieoptionen gibt, gibt es oftmals jedoch sehr ähnliche Ursachen und Zusammenhänge.
Neben der Überwucherung mit Bakterien und Archaeen gibt es diese außerdem auch mit anderen Mikroorganismen, wie beispielsweise Pilzen, Würmern oder Parasiten. In dem Fall spricht man von einer "SIFO" (für fungal overgrowth) bzw. "SIMO" (für microbial overgrowth).
Häufige Ursachen und Zusammenhänge
Die Ursachen für (Dünn-)Darmfehlbesiedlungen sind meist multifaktoriell. Die Forschung nennt mehrere offizielle Ursachen und Risikofaktoren (vgl. Barlow & Pimentel, 2024):
- gestörte Motilität des Dünndarms
- Anatomische Veränderungen
- Reduzierte Magensäureproduktion
- Veränderungen im Mikrobiom
- Immunschwäche oder Immunmodulation
- Chronische Erkrankungen und systemische Faktoren
- Externe Faktoren wie z.B. Medikamente
Diese Faktoren beeinflussen sich oft gegenseitig und machen die Symptome oft komplex und individuell unterschiedlich.
Klassische Ansätze und mögliche Alternativen
In der konventionellen Therapie werden zur Behandlung von SIBO, IMO und ISO häufig folgende Strategien eingesetzt:
- schulmedizinische antimikrobielle Mittel (z. B. Antibiotika wie Rifaximin bei SIBO, ggf. kombiniert)
- Pflanzliche antimikrobielle Mittel
- Elementardiäten, die Bakterien vorübergehend die Nahrungsgrundlage entziehen sollen
Diese Ansätze zielen darauf ab, die bakterielle Überwucherung zu reduzieren. Aus meiner Erfahrung sind sie jedoch nicht immer der erste oder einzige Schritt. Ganz besonders bei komplexen Fällen mit Entzündung, Mastzellaktivität oder sensiblen Verdauungssystemen.
Neben diesen „eradikativen“ Methoden sehe ich außerdem und bevorzugt aufbauende, regulierende Ansätze, die das System gleichzeitig stabilisieren und die Darmgesundheit langfristig unterstützen können:
- Gezielt ausgewählte und ausgewählt dosierte Probiotika
- FMT (fäkale Mikrobiotatransplantation) in ausgewählten Fällen
Genau diese beiden Optionen haben mir selbst sehr geholfen, als alles andere nicht funktionierte und auch viele meiner eigenen Treiber durch "antimikrobielle Mittel" eher befeuert statt behoben wurden. Neben meinen eigenen positiven Erfahrungen zu "pro-" statt "anti" -biotischen Strategien, gibt es eine noch geringe, aber zunehmend wachsende Studienlage, die ebenfalls erste Hinweise auf Wirksamkeiten liefert (vgl. Martyniak et al. 2025, Ojetti et al. 2017, Xu et al., 2021, Zhong et al. 2017).
Ich habe mit diesen beiden eher "unkonventionelleren" Strategien sowohl bei mir als auch in der Begleitung mit anderen Klient:innen bereits sehr gute und nachhaltige(re) Erfolge beobachten können.
Wichtig zu wissen: Nicht alle Probiotika wirken gleich, und oft Bedarf es einige Schritte vorab, damit sie entsprechend vertragen werden können. Bei SIBO geht es nicht nur um die reine Anwesenheit von Bakterien (!), sondern, welche Mikroben aktiv sind, und wo sie wirken. Forschungen zeigen, dass bestimmte Probiotika den Dünndarm unterstützen können, indem sie Überwucherung begrenzen, Stoffe produzieren, die problematische Mikroben hemmen, und das Immunsystem und Entzündungssignale beeinflussen (vgl. Leventogiannis et al. 2018, Nino et al. 2024, Yang et al. 2023).
Diese Effekte treten nicht sofort auf und sind stark stammspezifisch. Einige Probiotika wirken so, dass sie die Balance im Darm fördern, ohne „Feuer zu legen“. Das erklärt, warum Probiotika in manchen SIBO-Fällen hilfreich sein können, in anderen jedoch kontraproduktiv. Häufig liegt dies jedoch auch an reizdarmunverträglichen Füllstoffen in vielen der herkömmlichen Präparate, oder daran, dass bei vorliegender Histaminose unwissender Weise histaminbildende Bakterienstämme eingesetzt werden.
Aufbauende Strategien und Orientierung
In meiner Beratung geht es um Tipps, Orientierung und praxisnahe Strategien, die du als Maßnahmenideen umsetzen bzw. mit zu deinem Arzt oder Heilpraktiker mitnehmen und besprechen kannst:
- Motilität und Verdauung regulieren
- dein individuelles Mikrobiom aufbauen und gezielt stärken
- Entzündungs- und Mastzellaktivität reduzieren
- Ernährung und Mikronährstoffe gezielt einsetzen
- Systematisch beobachten, priorisieren und strukturieren, um langfristig Stabilität zu erreichen
Meine Beratungsangebote zu SIBO, IMO, ISO, SIFO & SIMO
In der Beratung unterstütze ich dich dabei:
- Symptome, Befunde und Testergebnisse einzuordnen
- klassische Ansätze und deren möglichen Grenzen zu verstehen
- aufbauende Strategien für deine Verdauungsregulation und dein Mikrobiom zu erkennen
- dein Vorgehen zu strukturieren und Prioritäten zu setzen - also einen Fahrplan zu entwickeln
- Maßnahmenideen zu entwickeln, die du mit Arzt/Ärztin oder Heilpraktiker:in besprechen kannst
- Fachpersonen, Therapeuten oder Anlaufstellen zu finden, bei denen du Hauptthematisch oder begleitend gut aufgehoben sein könntest (falls benötigt)
- Ernährung, Triggerbeobachtung und Ideen zur Stabilisierung des Systems
Ziel ist, die Zusammenhänge zu verstehen, Ursachen einzuordnen und konkrete Schritte für mehr Wohlbefinden und Stabilität zu planen.
2) Was ist "Leaky Gut"?
Leaky Gut, auch erhöhte Darmpermeabilität genannt, beschreibt einen Zustand, in dem die Darmwand durchlässiger wird als normal. Dadurch können Substanzen, die normalerweise im Darm bleiben, leichter das Immunsystem aktivieren und in den Blutkreislauf gelangen. Das kann Entzündungsreaktionen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder allgemeine Sensitivitäten fördern.
Leaky Gut ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein funktioneller oder struktureller Zustand, der oft zusammen mit SIBO, Entzündungen, Allergien, Mastzellaktivität oder anderen Regulationsstörungen auftritt.

Unterschiedliche Formen von Leaky Gut
Leaky Gut kann akut oder dauerhaft sein:
- Vorübergehend: z. B. durch Stress, Infekte oder kurzfristige Darmdysbalancen ausgelöst.
- Langfristig: wenn die Darmbarriere über längere Zeit gestört ist, kann dies die Stabilität des Verdauungssystems beeinträchtigen.
Darüber hinaus gibt es ein funktionelles und/oder ein strukturelles Leaky Gut. Zur Orientierung dienen hier beispielsweise die Marker "Zonulin" und/oder "iFABP" (vgl. IMD Berlin).
Wichtig hierbei ist, ursachenorientiert die passenden Vorgehensweise und Tipps auszuwählen.
Mein Beratungsangebot zu Leaky Gut
In meiner Beratung kann ich dich z.B. dabei unterstützen:
- zu verstehen, was dein Darmsignal bedeutet
- Auslöser und Zusammenhänge zu erkennen
- praktische Tipps zur Stabilisierung der Darmbarriere & Entlastung zu bekommen
- Ernährung, Mikrobiomaufbau und Verdauungsregulation gezielt einzusetzen
- dein Vorgehen individuell zu strukturieren und Schritt für Schritt umzusetzen
Ziel ist, dass du die Zusammenhänge erkennst, Ursachen besser einordnen kannst und konkrete Schritte für mehr Stabilität ableiten kannst.
